Donnerstag, 29. August 2019
memories.
Frei wie ein Vogel..

Wärst du ein Vogel, würden wir uns fast schon zu ähnlich sein. Gefangen im kleinen, goldenen Käfig, obwohl die Schwingen so viel Platz benötigen. Ein stupides Zwitschern, wirres Reden mit sich selbst, obwohl du so viel zu sagen hast.. obwohl die zerfetzte Seele Dinge so laut hinaus schreit, dass es in deinen Ohren dröhnt und doch keines dieser Worte über die Lippen geht.

Gerade deswegen hasst du mich.. wie du dich hasst.. Eine bizarre Ähnlichkeit. Ein selbstzerstörerischer Selbsthass. Deine scharfen Krallen gleichen der Klinge in den klammen Fingern.. dein kunstvoll geschwungener Schnabel blutbesudelt wie meine kalten Fingerspitzen.. Das Federkleid längst verblasst.

Vielleicht ist das der Grund weshalb du nach mir hackst, weshalb du mein Blut fließen lassen.. mir weh tun willst.. Vielleicht ist das der Grund wieso du dir Federn ausreißt sowie ich den Leib mit realen Schmerzen peinige. Vielleicht ist das der Grund.. diese Ähnlichkeit, die besteht, wenn du im goldenen Käfig sitzt und zwischen den Gitterstäben hindurch blickst in eine Welt, die nicht die deine ist und niemals sein wird.

Wenn des Nachts ein Tuch über den Käfig geworfen wird, ist dir der Blick auf die Sterne verwehrt.. wie mir.. Ein dunkles, undurchsichtiges Tuch so schwer lastend auf den feinen, goldenen Stäben. Natürlich nur um dich in Ruhe schlafen zu lassen und eigentlich doch nur damit der nichtige Redeschwall unterbrochen wird, die Hilfeschreie, die ohnehin keiner versteht.. bis irgendwann vielleicht Jemand die Muße hat die Dunkelheit von dir zu nehmen für wenige Stunden.. um dich dem gleichen Schicksal erneut zuzuführen.

Krampfhaft versuchst du im von Angst umwobenen Schlaf das Gleichgewicht auf der mickrigen Stange zu halten, deine Krallen bohren sich in der harte Plastik. Immer wieder reißt dich etwas aus dem Schlaf, mögen es Alpträume sein? Du wirst gefüttert, du wirst liebevoll besäuselt, dein Gefängnis wird sauber gehalten.. Alles zu eignen Wohlergehen der Außenstehenden, die die Befehlsgewalt über dein kurzes Leben haben.

Ich verstehe deine kalte Wut, diesen Zorn, der im kleinen Herzen pocht. Ich verstehe deinen Hass auf mich.. Ich hasse mich aus den selben Gründen..

DarkFools – am 18.12.2007 22:51