regenschirm.
Lethargisch, müde, wie betrunken streiche ich mir mit geschlossenen Augen durchs fettige Haar. Ich laufe auf Reserve und alle Warnleuchten blinken und es piept und flimmert. Du musst tanken! Mhm... was denn? Schmerzen? Alkohol? Drogen? Ein Zentner Schokolade? Ich bin an einem Punkt, an dem ich mich selbst nicht mehr zu retten weiß. Ich glaube an diesem Punkt war ich schon oft in meinem Leben aber jedes Mal hat er neue Facetten, eine neue Wendung, die es mir nicht möglich macht alte Griffe aus alten, fast vergessenen aber tief verankerten Geschichten anzuwenden.

"Rede!" sagen sie mir. "Rede mit jemandem, du brichst zusammen!".. Ich weiß nicht mit wem ich reden soll. Meine Aversion steigert sich ins Unermessliche, wenn ich daran denke mit sogenannten Fachleuten zu reden, die Dinge sagen wie "Sie müssen auch an sich denken" .... ja.. jaja! Das ist ein grandioser Rat, ich bin Ihnen so dankbar! Daran hab ich ja noch gar nicht gedacht! ... Mumpitz.

Ich kenne mich selbst so unglaublich gut. Aber ich brauche heute unangemessen mehr Zeit, um einen Weg zu finden. Und dieser Weg ist nicht nur steinig. Er besteht aus Glasscherben und ich hab keine Schuhe an. Es regnet Teer und ich hab keinen Regenschirm. Die Wände kommen näher und ich kann nicht schneller laufen.

Meine neue Welt steht hilflos daneben.. wartet, spricht, hält.. aber manchmal ist es einfach nicht genug. Und dieses Manchmal kommt immer öfter. Die Phasen dazwischen werden kürzer und das Manchmal wird heftiger.

Es sind Triggerpunkte, die mich kalt erwischen, bevor ich es überhaupt realisiere. Ich kann nicht mal den Gedanken ausführen, da hat er mir schon die Beine weggezogen. Und wenn ich allein bin, was ich oft bin, dann hab ich plötzlich keine Verteidigung mehr. Da müssen Risse sein im Mauerwerk, die ich nicht finde oder die immer wieder aufreißen, egal wie sehr ich sie verspachtle, verbarrikadiere, mit Bauschaum ausspritze oder Steinkeile hinein prügel.

Meine neue Welt ist mein Regenschirm. Es nieselt und ich spüre die zärtlichen kalten Tropfen noch nicht einmal auf meiner Nasenspitze, da funkeln mich seine Augen bereits forschend an. Sie sehen, ehe ich begreife. Es ist eine unvorstellbar starke Hand, deren wunderschöne Finger liebevoll über mein Haar, mein Gesicht, meinen Arm, meine Hand oder mein Bein streifen, um mich behutsam aus den Gedanken zu ziehen, die sich wie eine Gewitterwolke finster und bedrohlich über mir zusammen schließen. Bevor mich der Monsun, Taifun oder was auch immer für ein Ungetüm erfasst, schiebt sich meine neue Welt mit wissendem Schweigen und einem zärtlichen Lächeln souverän vor mich.

Ich bin ihm verfallen. Hingebungsvoll schenke ich ihm den kläglichen Rest meiner Selbst. Habe ich manchmal Angst? Sowas von. Weiß ich, wo ich ende, wenn er wegbrechen würde? Fuck, ja! Aber diese neue, gesunde, helle, bunte, glitzernde, heilende Liebe, Sehnsucht, Leidenschaft ist wie der beste Stoff ever und ich muss nicht einmal danach fragen. Ich bin Priorität No. 1 und ich lieb’s. Er hält mich so leicht und mit einer Selbstverständlichkeit, dass es in seiner Nähe keine Angriffspunkte gibt. Nichts kann mich verletzten, niederschmettern, zerstören, außer ihm selbst. Er könnte all das und mehr tun mit einem Satz aber nichts auf der Welt liegt ihm ferner. Ich glaube das. Ich weiß das. Die meiste Zeit.

Meine neue Welt ist mein Regenschirm, mit kleinen roten Erdbeeren drauf und rosa Rüschen am Rand. Es ist der schönste Regenschirm auf der Welt und um nichts in der Welt würde ich ihn eintauschen. Wenn er undicht wird; Ich habe Abdichtband, Klebestreifen, Sekundenkleber von meiner Seele und meinem Herzen und meinem Hirn zu Hauf da. Ich fix das – null problemo.